Jedes Jahr hat Publisher “Electronic Arts” vor mit seinem derzeitigen Entwicklerteam der “Slighty Mad Studios” einen weiteren Ableger der “Need for Speed” Reihe zu veröffentlichen. Der aktuellste Teil der Serie, neben Nitro, welches für Nintendos Wii-Konsole erschien – Need for Speed: Shift – soll, nach langer Zeit des storygeplagten Renngenres endlich mal in die Welt der virtuellen Rennsimulation einsteigen. “Da gab es doch aber auch NFS: Pro Street?!”. Stimmt, aber dieser Ableger, hergestellt vom damaligen Entwickler “EA Black Box” erreichte auf Grund fehlender Ideen leider nicht überall Bestnoten. Manch einer mag sogar behaupten es handelte sich hier um ein Hybridgenre zwischen Realismus und Arcade. Mit “Shift” wollen die Entwickler einen Schritt weiter gehen. Ein perfekter Start oder eher eine zu forsch genommene Kurve?
Story:
Im Gegensatz zu früheren Teilen der Serie bewegt sich nach langer Zeit der Spieler nicht mehr in einer von Straßengangstern im Bandenkrieg befindenden Story. Stattdessen läuft das Renngeschäft erstens am Tag, morgens oder zur Dämmerung, desweiteren finden die Rennen auf offiziellen Strecken, teilweise mit Rang und Namen statt. Anstatt von gecasteten Schauspielern, welche in den Storys meist als Gegenspieler oder Partner in den Rennen mitstreiten, gibt es in “Shift” zwar Gegenspieler, diese werden jedoch nur namentlich erwähnt ohne Bild und ohne überdrehten Inszenierungsschnickschnack. Die Devise lautet: Werde der Champ der NFS-World-Tour-Series und erreiche den Titel des Weltmeisters.
Zu Anfang hat man die Möglichkeit sich einen von 5 Wagen der sogenannten Stufe 1 zu kaufen und mit diesem in das Renngeschehen einzusteigen. Bevor man sich aber mit den Besten der Besten in der NFS-WTS messen kann, muss man sich in den vorherigen 4 Stufen Sterne einfahren. Jene bekommt man durch diverse Nebenquests, seien es 3 Wagen zum Überschlagen zu bringen oder mal eine perfekte Runde zu fahren. Hat man genug Sterne gesammelt, erreicht man nach und nach eine weitere Stufe.
Bis zur NFS-WTS ist es aber ein langer Weg, der ein wenig Zeit beansprucht. Hat man es aber geschafft, kann man sich zum größten Fahrer der NFS-Shift-Offline-Geschichte krönen.
Gameplay:
Ein sehr ins Detail schreitendes Thema, wenn man entsprechend ins Detail geht. “Shift” bietet dem Spieler ein Atemberaubendes Fahrgefühl, am Lenkrad aber auch am Gamepad. Die Rennphysik ist sehr realistisch, was auch zur Folge hat dass es dem einen oder anderen Zocker so richtig die Schweißperlen über die Stirn versprühen lässt. Kein negativer Aspekt, handelt es sich ja hier auch nicht um einen Arcaderacer außerdem besteht die Möglichkeit, Fahrhilfen ein und auszuschalten. Diese helfen Brems- und Lenkmanöver mit heiler Karosserie zu überstehen.
Neben dem gefühlvollen Gasgeben spielen auch das rechtzeitige Bremsen, Überholtechnik und das generelle Fahrverhalten eine große Rolle bei “Shift”. Denn neben des eigentlichen Rennens erhält man Punkte, entweder für präzises oder aggressives Fahrverhalten.
Zu den präzisen Manövern zählt das optimale Drehmoment beim Start oder das perfekte Nehmen einer Kurve. Zu letzterem das Wegstoßen oder Rammen des Gegners sowie Drifts. Diese Punkte werden zu Schluss jedes Rennens ausgewertet und auf dem Punktekonto gutgeschrieben. Je nach Anzahl der Gesamtpunkte erhält man einen Rang, welcher weitere Garagenplätze für weitere Autos, neues Equipment oder neuen Lack freischaltet. Zusätzlich erhält man nach jedem Rennen auch für erfolgreich ausgeführte Manöver Achievements, welche sich auf eurem XBOX 360 Gamerscore auswirken, sowie Sterne für ausgeführte Nebenquests, welche benötigt werden um weitere Rennevents freizuschalten.
Eine Neuerung beim Fahren sind, neben neuen Kamerawinkeln, welche sich sogar mit dem rechten Stick steuern lassen, die eingezeichnete Ideallinie – für den Durchschnittsfahrer ein Muss. Neben der realistischen Fahrphysik spielt auch das Tunen wieder eine große Rolle. Das Einstellen der einzelnen Bestandteile von Fahrwerk und Motor wirkt sich teilweise sehr drastisch auf der Straße aus. Auch das Aufmotzen unter der Haube lässt so manchen
Zocker in tiefste Regionen des Motorsports eingehen. Neu hier: Nachdem man seinen Bolliden bis zur Unendlichkeit aufbereitet hat bietet das Spiel die sogenannte “Werkseinstellung”, welche euren Wagen dann zum Offiziellen Rennwagen modifiziert.
Lediglich beim Einstellen des Bodykits haben die Entwickler etwas abgespeckt. Keine Feineinstellungen mehr, nur noch der Lack
sowie Vinylaufkleber lassen sich noch wie vorher bearbeiten.
Präsentation:
Was die Grafik betrifft, reicht nur ein Wort: Phänomenal!!! Auf den Strecken wirken die Autos nahezu fotorealistisch. Allem voran kann die Cockpitsicht am meisten überzeugen. Die Entwickler scheinen auch hier die Liebe zum Detail entdeckt zu haben. Selbst die Gangschaltung wurde äußerst überzeugend auf den Schirm fabriziert, zu sehen wie die Hand des Fahrers nicht nur den Knüppel bewegt, nein das geschieht sogar sinnvoll, während das Kupplungspedal bedient wird, so wie es sich eben gehört.
Damit einem auch die Freiheit in der Kamerasteuerung nicht fehlt, kann man sich aus fast jeder Sichtweise die frei umschauen. Neben der Kamera bietet das HUD (Heads-Up-Display) reichlich Informationen über das Renngeschehen, von der Streckenkarte über Geschwindigkeit, Drehmoment, Zeit, Punktestand, Position sowie die ausstehenden Rennmissionen.
Mit einem Tastendruck auf dem D-Pad lässt sich dieses auch Abschalten. Das Design der fahrbaren Untersätze verspricht eine massige Anzahl an
Polygonen, was dem Auge des Betrachters sehr gut tut. Lichteffekte wirken nicht übertrieben, was bei einem Rennspiel eher selten geworden ist, aber dennoch einen Pluspunkt wert ist. Die Streckendetails scheinen auch überragend, sieht doch alles mit dem Blureffekt top aus, doch das kann an manchen Stellen mehr oder weniger täuschen. Teilweise ist doch mal eine verpixelte Textur am Boden zu erkennen, aber das fällt mehr oder weniger
gar nicht auf. Auch das Publikum, welche neben der Strecken das Leben außerhalb des Renngeschehens “lebhaft” erscheinen lässt, aber ein paar
mehr Animationen hätten dort nicht geschadet. Das Schadenssystem bei “Shift” kann sich ebenfalls sehen lassen, entweder mit oder ohne irreparablen Schäden, die sich während eines Rennens ereignen können. Jede äußerliche Veränderung am eigenen Bolliden macht sich auch sofort bemerkbar.
Sogar die Menüführung wirkt recht ansprechend, aber dennoch schlicht, kaum übertrieben.
Generell wirkt das Spiel nicht zu voll aber auch nicht zu Arm an Details, weder in der Farbgebung noch in der Umsetzung des Designs des Spiels.
Inszenierungen gibt es hier leider keine, sind aber auch auf Grund fehlender Story nicht nötig.
Was den Sound des Spiels betrifft, prägen dieses Mal keine bekannten Tracks die Musikwelt des Spiels. Die Titel während der Streckenfahrten machen das Rennen aber rasanter, die Musik ist aber in der beim Spielstart standardmäßig abgeschaltet. Die Ohren werden dafür aber köstlichst von den Motorgeräuschen der Fahrzeuge stimuliert. Das Knallen des Auspuffs und das Quietschen der Reifen reizen einen richtig dazu Gaszugeben. Neben Fahrzeuggeräuschen ist die Lokalisation sehr authentisch.
Richtig gut: Die Erläuterung jedes einzelnen aufrüstbaren Teils erfolgt per Stimme. Also fleißiges Zuhören wird hier lediglich vorrausgesetzt. Größtes Malheur, welches einen leider das gesamte Spiel über begleitet, sind mal wieder die Ladezeiten.
Fast bis zu einer Minute wartet man bei auf der Festplatte installiertem Spiel, was nicht gerade positiv vermerkt werden kann. Jedoch birgt dieser Fauxpas etwas Gutes, fast keinen einzigen Ruckler begleitet die Rennsimulation, was dem Gameplay doch wieder zu Gute kommt.
Multiplayer:
Zum dieser Kategorie weisen wir normalerweise auf zwei Kategorien hin, Online und Offline. Bedauerlicherweise fehlt Letzteres doch komplett.
Weder Splitscreen noch Lanverbindung machen einen Mehrspielerspaß mit seinen Freunden auf der Couch möglich.
Dafür bietet der Online Multiplayer ein solides Gameplay, wenig Hänger und das bei bis zu sieben weiteren Konkurrenten. Neben offenen Spielsitzungen kann der Lobbyführer Spieler in seine eigene Lobby zu einem privaten Match herausfordern.
Leider bietet “Shift” auch hier wenig Abwechslung. Nur drei Spielmodi sind wählbar, Zeitrennen, Drift und das Standardrennen.
Man hat aber die Möglichkeit, weitere KI Fahrer in das Onlinerennen zu integrieren, sollte es an Humanen Rennfahrern fehlen.
Was auch keinen Sinn ergibt ist die Tatsache, dass der Fotomodus nur noch in Verbindung zum EA Nation Netzwerk möglich ist, was eigentlich ein eher behindernder Zusatz darstellt, da diese Funktion für den Offlinegebrauch dem Anschein nach nicht gedacht ist. Enttäuschend auch die Replayfuntkion, da diese nur am Ende eines jeden Rennens verfügbar ist und man weder in der Lage ist, diese Hochzuladen oder gar einfach nur zu speichern. Leider ein doch sehr ernüchterndes Ergebnis für diesen Part.
Fazit:
Was beim Multiplayer versagt hat kommt aber beim Einzelspieler sehr gut zur Geltung. Flüssiges Gameplay, bezaubernde Grafik sowie gut und sinnvoll eingebundene Synchronsprecher sorgen bei “Shift” für rasante Gefühlsräusche, welche das Herz jedes Fahrers höher schlagen lassen.
Malus: Wohl oder übel das Fehlen einiger rudimentärer Dinge, sowie die extrem langen Ladezeiten.
Dennoch kann das Spiel in den anderen Belangen überzeugen. Eine sehr gute Fahrphysik, solide KI sowie eine gute Präsentation bilden die Grundlagen.
Leider fiel der Umschwung von Arcade auf Rennsimulation meiner Meinung nach zwar flüssig aber dennoch zu unkonsequent aus, fehlen auch im sauberen Gameplay ein Paar Kleinigkeiten welche bei den Väter der Rennsimulation einfach dazugehören, seien es Reifenverschleiß, Pitstops oder Benzintanken.
Ansonsten kann ich selbst von mir behaupten, dass ich als NFS-Veteran doch positiv überrascht bin von dem Umschwung, da dieser endlich mal in die richtige Richtung geht.
[von Martin Isengard]
| Gesamt 7.4 | Story -Fehlende Story, aber aus angegebenen Anlass ein verzichtbares Medium |
5.0 | |
| Präsentation -Grafik lässt sich richtig sehen. Sound und Lokalisation lassen begeistern. Leider fehlen hier und da mal ein paar Feinheiten was sich aber kaum auswirkt. |
9.5 | ||
| Gameplay -Sehr gute Fahrphysik, dennoch enttäuschend, dass wichtige Details fehlen. |
8.0 | ||
| Multiplayer -Eher eine Mehrfachenttäuschung, fehlender Splitscreen, dazu wenige Rennmodi sowie zu geringe Anzahl an Spielern. |
3.0 | ||
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