Iron Man 2 Review

Noch bevor Iron Man 2 in den Kinos die bösen Buben vermöbelt landet er in der Wii von Gamelight Gaming und will zeigen was er drauf hat. Wie schon beim ersten Teil gibt es eine „Versoftung“ des Multimillionen-Dollar-Films – allerdings hat Sega, der Publisher des Spiels, berechtigterweise einen anderen Entwickler als beim ersten Teil verpflichtet: High Voltage Software.

Ja, genau. Die Jungs und Mädels, die schon The Conduit auf Wii gebracht haben und neben Nintendo und Capcom die wahrscheinlich beste Wii-Engine haben.

Story:
Anstatt erneut den Fehler zu machen Storylöcher im Film zu suchen und mit unpassenden Elementen auf unsinnigste Art und Weise auszufüllen gab es diesmal eine andere Vorgabe der Marvel Studios. Matt Fraction, einer der Schreiber hinter den Iron Man Comics wurde beauftragt eine neue Story zu schreiben, die sich in der Filmwelt von Iron Man abspielt. Sie spielt ungefähr zur selben Zeit wie der zweite Film und kann sich wirklich sehen lassen. Bei Stark Industries wird eingebrochen und einige Daten werden gestohlen und vom russischen Konzern Roxxon missbraucht um eigene Rüstungen und Drohnen zu bauen. Gleichzeitig arbeitet Roxxon mit einem ehemaligen Mitarbeiter von Stark Industries zusammen, der nun für Advanced Idea Mechanics, kurz A.I.M. arbeitet und eigene Ziele verfolgt. Die Story ist spannend und wird sowohl Fans der Filme als auch der Comics bis zum letzten Level zum weiterspielen animieren. Ein kleines Highlight sind die Unterhaltungen zwischen Tony Stark und Natasha Romanov (alias Black Widow), die einem die ein oder andere Lachträne in die Augen treiben können.

Präsentation:
So gut die Story auch ist, so schlecht wird sie dem Spieler vermittelt. Während sich Xbox 360 und PS3 Zocker über tolle Zwischensequenzen in High Definition freuen können, wird bei der Wii-Version gehörig abgespeckt. Die meiste Zeit wird die Story in hässlichen Standbildern erzählt, wobei gezeichnete, fotografierte und gerenderte Bilder von Personen/Maschinen vermischt werden und überhaupt nicht zueinander passen wollen. Dazu kommt eine grausame Synchronisation, die oft noch zusätzlich durch eine erhöhte Sprechgeschwindigkeit weiter verhunzt wird. Es macht den Eindruck als wäre es den Verantwortlichen erst hinterher aufgefallen, dass der Text der einzelnen Figuren zu lang ist und haben die Geschwindigkeit dementsprechend erhöht, dass man meint statt Pepper Potts würde Micky Maus reden.

Gott sei Dank gibt es auch einige wenige Zwischensequenzen in Spielgrafik, die zwar etwas detailarm sind, aber durch gute Animation glänzen. Glänzen ist übrigens auch das Stichwort für Iron Mans und War Machines Rüstungen. High Voltage Software setzt auch in diesem Spiel wieder auf ihre hauseigene Wii-Engine, die verschiedenste Materialien überzeugend darstellen kann. Iron Man und War Machine sehen wirklich gut aus, und es macht als Wii-Spieler wirklich Freude die metallischen Reflexionen auf den Rüstungen zu sehen. Darüber hinaus bewegen sich die Hauptcharaktere wie man es aus den Filmen und Comics kennt und haben auch ein großes Waffenarsenal aus denen sie wählen können um es mächtig rumsen zu lassen. Fast permanent explodiert etwas oder sonstige Energiestrahlen zucken über den Schirm wobei die Framerate stets flüssig bleibt.

Die Umgebung ist dafür jedoch oft lieblos designt und an einigen Stellen fehlen sogar die Texturen. Ansonsten sind die Texturen Wii-typisch vermatscht und wiederholen sich sehr oft. Kurioserweise verbessert sich das Spiel optisch ab der zweiten Hälfte zum Ende hin – man könnte meinen die Entwickler haben das Spiel von Hinten nach Vorne fertiggestellt und gegen Ende kaum noch Zeit für die ersten Level gehabt. Dennoch bleibt das grafische Niveau immer weit unter The Conduit, das mit derselben Engine läuft. Übrigens weisen die Menüs und die Titelmusik von The Conduit und Iron Man 2 eklatante Ähnlichkeiten auf, genau wie die Partikeleffekte (Explosionen usw.) im Spiel selbst. Hier wurde einiges aus High Voltages Shooter wiederverwertet, was jedoch nicht unbedingt schlecht ist. Als musikalische Untermalung kommt meist rockige Musik zum Einsatz, hier wird jedoch levelabhängig variiert, und so kann es sein, dass auch einmal etwas sanftere asiatische Töne angeschlagen werden. Die Musik ist meist passend, aber an manchen Stellen auch total daneben. Die Soundeffekte passen sehr gut zum Geschehen und immer wieder hört man auch die aus den Filmen bekannten Geräusche des Anzugs.

Gameplay:
Auch wenn man es nicht meinen sollte: Iron Man 2 bietet an sich ein grundsolides Gameplay, das sich nur wenige Schnitzer erlaubt und immer fair bleibt. Bei Iron Man 2 handelt es sich um einen Third-Person Shooter der sich auf die Pointer-Fähigkeit der Wiimote verlässt. Mit dem Pointer wird gezielt, auf A die Primär- und auf B die Sekundärwaffen abgefeuert. Mit Z nimmt man Gegner ins Visier, mit C kann man schweben und mit dem Control-Stick wird der Titelheld bewegt. Wer mit der vorgefertigten Steuerung nicht zufrieden ist kann sich in bester Conduit-Manier die Steuerung anpassen, bis sie gefällt. Einziges Manko sind die Kontext-sensitiven Aktionen, die erst nach mehrmaligem Drücken des A-Knopfes ausgeführt werden.

Die meisten Level spielen sich auf dem Boden ab, wo ganze Gegnerhorden von euch besiegt werden müssen. Um das Gameplay ein wenig aufzulockern gibt es Bonusmissionen und sogenannte Tech-Trophäen, die euch Tech-Punkte bescheren, mit denen Iron Mans und War Machines Anzüge verbessert werden können. Außerdem müssen immer mal wieder Maschinen gehackt werden, was in Form eines Puzzle-Minispiels passiert. Wer darauf keine Lust hat darf jederzeit den Minus-Knopf drücken und schon löst es sich von selbst. Gelegentlich gibt es auch Flugmissionen, die für Abwechslung sorgen, jedoch weniger spielerischen Tiefgang bieten. Alles in allem bleibt das Spiel stets fair und im Kampf gegen wenige Gegner fühlt man sich heldenhaft überlegen  – während einem im Kampf gegen 15 Gegner auch einmal die Grenzen der Rüstung deutlich werden. Sollte man sich mit zu vielen Gegnern angelegt haben hat man als Tony Stark nach einem K.O. meistens die Chance wieder einzusteigen, indem man einen elektrischen Funken zurück in den Kern des Mini-Reaktors in seiner Brust führt. Geübte Spieler können die 20 Level von Iron Man 2 in ca. 5-7 Stunden durchspielen und haben danach die Möglichkeit die Level mit anderen Iron Man Anzügen auf der Suche nach weiteren Tech-Punkten erneut zu besuchen. Wer darauf keine Lust hat darf das Spiel nach dem letzten Level getrost in der Ecke verstauben lassen, denn es gibt sonst nichts, was das Spiel interessant macht. Kein Multiplayer, kein neuer Schwierigkeitsgrad, kein Koop-Modus.

Fazit:
Iron Man 2 ist ein Lizenzspiel und leidet daher an den bekannten Krankheiten wie durchschnittlicher Präsentation und fehlendem Polishing aufgrund von Geld- und Zeitmangel. In Anbetracht dessen kann man es High Voltage Software nicht verübeln, dass das Spiel kein Top-Titel geworden ist – dennoch kann sich Iron Man 2 für Wii durch sein solides Gameplay und die gute Story von anderen Lizenzspielen abheben. Fans von Iron Man sollten unbedingt einen Blick riskieren und das Spiel notfalls für ein Wochenende aus der Videothek ausleihen. Alle anderen können dieses Spiel getrost auslassen und zum Beispiel auf Sin & Punishment 2 warten.

[von Markus Bürster]

Gesamt 6.7 Story
-Spannende Story um gestohlene Waffentechnologie von Stark Industries
8.5
Präsentation
-Tolle Charaktermodelle und Effekte, schlechte Umgebung und schauerliche Zwischensequenzen
5.0
Gameplay
-Solides Gameplay mit wenigen Schnitzern
7.5
Multiplayer
-fehlt.
x.x

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