Nach dem Infinity Ward mit Call of Duty 4 – Modern Warfare neue Maßstäbe gesetzt hat ist nun wieder Treyarch an der Reihe und präsentiert Call of Duty – World at War für Wii, das auf einer extra angepassten CoD 4 Engine läuft. Ist bei Treyarchs Werk der Ruf der Pflicht noch zu hören oder ist er im Feuer der Kanonen verstummt?
Story
Treyarchs Spezialität ist bekanntlich Infinity Wards Vorarbeit weiterzuführen und den Spieler wieder zurück in die Vergangenheit zu versetzen. Warum jedoch auch diesmal der Zweite Weltkrieg durchexerziert wird ist wohl vielen ein Rätsel, denn schon CoD 1-3 haben sich mit dem Aufstieg und Fall des 3. Reichs beschäftigt. Selbst wer die ersten drei Teile nicht gespielt hat sollte mit der ungefähren Story vertraut sein und kann dementsprechend nichts Neues erwarten. Um die Sache wenigstens ein bisschen spannender zu machen haben sich die Leute von Treyarch etwas einfallen lassen: Diesmal treffen Amerikaner und Deutsche nicht aufeinander und das Spiel bietet eigentlich zwei Storylines, zwischen denen immer wieder gewechselt wird.
Auf der einen Seite schlagt ihr euch als Private Dimitri Petrenko mit eurem Chef Reznov bis nach Berlin durch um dort den Reichstag einzunehmen. Auf der anderen Seite dient ihr unter Sgt. Roebuck als Private Miller und kämpft euch durch das japanische Feindesland. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat weiß nämlich, dass Deutschland und Japan verbündet waren. Damit wird erstmals eine Seite des Krieges präsentiert, die man in der Form noch nicht gesehen hat, denn in den Kämpfen verhalten sich die japanischen Truppen ein wenig anders als z.B. die Nazis und man kann sich durch asiatische Landschaften kämpfen. Trotz diesem kleinen Kniff sollte man keine tiefgreifende Story oder sogar einen Wendepunkt erwarten, beides hat CoD 5 nicht zu bieten.
Gameplay:
Wie bei CoD üblich kämpft ihr aus der Ego-Perspektive und habt dabei viele Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg zur Verfügung, wobei der Flammenwerfer dank seiner Durchschlagskraft sicherlich heraussticht. Die Steuerung ist einfach zu erlernen und ist vom Grundprinzip her identisch zu den bereits bekannten Shootern für Wii: Laufen auf dem Nunchuk, Zielen mit der Wiimote und Nachladen sowie Messerattacke durch Schütteln. Alternativ kann statt zu schütteln auch ein Knopf gedrückt werden, was sich besonders bei der Messerattacke anbietet um sie präzise auszuführen. Wer mit der voreingestellten Steuerung Probleme hat kann sich im Optionsmenü austoben und sich die Steuerung so anpassen wie sie am besten gefällt.
Jede Mission ist im Prinzip eine Aneinanderreihung von kleineren Missionen, die alle in der vorbestimmten Reihenfolge erledigt werden müssen. Allerdings hat man eigentlich auch keine Gelegenheit von den Vorgaben abzuweichen. Da die Missionen sehr linear gestaltet worden sind. Wie schon beim Vorgänger gibt es hier sogenannte Trigger-Events, die ausgelöst werden müssen um die Mission voranzubringen, sei es die Zerstörung feindlicher Panzer oder das Erreichen eines bestimmten Ortes. Wer sich in einer Ecke verschanzt und erst weitermachen will wenn er alle Gegner aus dem Hinterhalt erschossen hat ist bei CoD World at War falsch: Gegner respawnen so lange an einem Ort, bis man das aktuelle Missionsziel erreicht hat. In weiten Teilen des Spiels ist es aber möglich einfach so von Trigger-Event zu Trigger-Event zu rennen ohne dabei einen Schuss abzugeben, was so auch nicht vorkommen sollte. Die meiste Zeit sind die aktuellen Ziele während der Missionen klar und können schnell und präzise ausgeführt werden – aber wehe wenn nicht. Manchmal sind die Ziele während einer Mission so undeutlich formuliert, dass man keine Ahnung hat, was man tun soll. Beispielsweise soll man in einer Mission drei Bunker mit C4 sprengen. Was der Spieler jedoch nicht weiß ist, dass man den Sprengstoff durch bestimmte Löcher im Bunker werfen muss. Hier muss man so lange herum probieren, bis man die Lösung gefunden hat.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Banzai-Truppen der japanischen Soldaten, die einfach so auf den Spieler zu rennen und ihn abmurksen. Man hat bei einem solchen Angriff kaum eine Chance zu überleben, da die Reaktionszeit viel zu kurz bemessen ist. Auch sehr nervig sind die vielen Granaten, die zwar durch ein Symbol gekennzeichnet sind, aber im Kampf schnell übersehen werden. Außerdem wird der Warnhinweis mit zunehmender Entfernung zur Granate immer blasser. An einigen ungünstigen Stellen sieht man das Symbol kaum und wird trotzdem so schwer verletzt, dass man am letzten Checkpoint erneut beginnen muss. Checkpoints gibt es bei Call of Duty – World at War den Entwicklern sei Dank an fast jeder Ecke – ansonsten würde der Frust schnell die Überhand gewinnen und das Spiel in einer sehr dunklen Ecke verschwinden. Wie es scheint konnten auch nicht alle Level der HD Fassung für Wii umgesetzt werden, so fehlt das Level Black Cats, bei dem man hinter den Kanonen eines Flugzeuges sitzt. Jemand der die HD Fassung nicht kennt wird diesen Umstand jedoch gar nicht bemerken, nicht zuletzt weil es storytechnisch irrelevant ist.
Präsentation
Call of Duty auf der Wii, kann das funktionieren? Schließlich lebt die Serie zu einem großen Teil auch von der Grafik und wie alle Wii-Spieler wissen kann der kleine weiße (mittlerweile auch schwarze) Kasten keine Grafiken wie eine PS3 zaubern. Trotzdem kann sich Call of Duty – World at War auf Wii sehen lassen und spielt grafisch im oberen Bereich mit, wenn auch nicht an der Spitze. Die Umgebung sieht für Wii-Verhältnisse sehr detail- und abwechslungsreich aus, dafür mussten jedoch Abstriche bei den Texturen und den Modellen der Soldaten gemacht werden. Womit CoD 5 auf der Wii glänzen kann sind auf jeden Fall die tollen Effekte von Explosionen, umher schwebendem Rauch und fliegenden Partikeln in der Luft. Was jedoch häufig negativ auffällt sind Clipping-Fehler bei denen man durch Wände gehen kann oder die Truppen über dem Boden schweben. Auf der akustischen Seite leistet sich der fünfte Ableger der Reihe keine Schnitzer: Die Waffen klingen realistisch, die Nazis sprechen akzentfrei die deutsche Sprache und die furiose Hintergrundmusik rundet das Gesamtpaket ab.
Multiplayer
Generell kann man den Multiplayer nur loben und er gehört sicherlich zum Besten, das die Wii zu bieten. Während des Onlinekampfes erhält man immer mehr Erfahrungspunkte, die für eine Beförderung in höhere Ränge sorgen, wodurch dem Spieler neue Waffen und Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es auch auf der Wii den umfangreichen Klasseneditor. Leider können auf der Wii nur immer zehn Spieler gleichzeitig gegeneinander kämpfen und auch die Verbundungsgeschwindigkeit ist nicht optimal. Bei CoD 5 für die Wii kommt es deutlich häufiger zu Rucklern und Lags als z.B. The Conduit oder Call of Duty 4 Modern Warfare Reflex. Größter Kritikpunkt am Multiplayer ist jedoch der Flammenwerfer. Wie man eine solch übermächtige Waffe im Mehrspielermodus zur Verfügung stellen kann ist mir unbegreiflich, nicht zuletzt weil es dem Onlinespaß einen erheblichen Abbruch tut. Aber CoD 5 bietet nicht nur einen Online-Mehrspielermodus, sondern auch einen lokalen Koopmodus, bei dem ein Freund jederzeit einspringen kann und mit einem zweiten Cursor dem ersten Spieler hilfreich zur Hand gehen kann.
Fazit
Call of Duty – World at War hat etwas von gemischtem Salat: Viele Zutaten werden zu einem leckeren Ganzen vermischt, obwohl einige nicht mehr ganz frisch oder falsch zubereitet sind. Fans der Serie sollten unbedingt zugreifen und auch geneigte Onlinespieler können mit diesem Titel ihren Spaß haben. Die Spielzeit der Kampagne beträgt etwa acht Stunden und mit dem Onlinemodus kann man sich locker noch einmal 20 Stunden beschäftigen. Insgesamt bietet das Spiel sehr viel und guten Inhalt fürs Geld. Wer jedoch keine Lust auf einen weiteren Zweiter Weltkrieg Shooter hat sollte zu Modern Warfare 1 oder 2 greifen.
[Von Markus Bürster]
| Gesamt 8.3 | Story Zur Abwechslung 2. Weltkrieg |
4.0 | |
| Präsentation -Packende Atmosphäre und polygonarme Soldaten |
8.5 | ||
| Gameplay Gutes Gameplay, aber zu viele Trigger-Events |
7.0 | ||
| Multiplayer Ein Paar Lags, Achtung Flammenwerfer! |
7.5 | ||
Unser Bewertungssystem findest du hier.
Teilen