Es gab eine Zeit…
Es gab eine Zeit in der Verbraucher für Freunde und Verwandte, oder aber zum Schutz der Originale, mit wenig Aufwand eine Musik CD oder ein PC Spiel kopieren konnten. Kurz danach wurde der Kopierschutz eingeführt und wenn man nun ein Medium kopieren wollte, musste man schon zu einem Programm greifen, das den Kopierschutz umgehen konnte – was bis 2003 durchaus legal war.
Danach trat der erste Korb der Urheberrechtsnovelle in Kraft: Es darf keine Soft- und Hardware zum Umgehen von “technisch wirksamen Maßnahmen” (zu dt. Kopierschutz) mehr beworben, verkauft oder auf sonstige Art vertrieben werden. An sich ein guter Ansatz – wenn man gleichzeitig den Kopierschutz gesetzlich verboten hätte. Da dies aber nicht geschehen ist kommen jede Woche zig CDs, DVDs, Videospiele und weitere Medien auf den Markt die mit einem Kopierschutz versehen sind.
Das Recht zur Privatkopie bleibt zwar bestehen, ist in meinem Augen aber eine Farce: Will man sich nun beispielsweise von seinem mehrere 100 € teuren Computerprogramm eine Sicherungskopie anfertigen, um die Original-CD/DVD an einem sicheren Ort zu verwahren hat man Pech gehabt. Da der Datenträger mit einem Kopierschutz versehen ist hat man nicht die Möglichkeit dazu und gleichzeitig wurden alle Programme, die den Kopierschutz umgehen können verboten. Hiermit wird das Recht auf eine Privatkopie ad absurdum geführt, da die verschiedenen Lobbys stärker auf die Gesetzgebung einwirken können als die Verbraucher (was eher ein generelles Problem in Deutschland ist). Würde man trotzdem den Kopierschutz umgehen und hätte das Pech etwa von einem unliebsamen Verwandten verpfiffen zu werden müsste man sich dafür verantworten.
Der zweite Korb der Urheberrechtsnovelle im Jahr 2008 hat wenigstens solchen Lappalien einen Riegel vorgeschoben: Selbst wenn man als Privatperson den Kopierschutz umgeht und z.B. seinen Geschwistern eine Mix-CD aus verschiedenen kopiergeschützten Quellen erstellt hat man von rechtlicher Seite nichts zu befürchten. Trotzdem ist es ärgerlich, dass Programme zum Umgehen des Kopierschutzes weiterhin verboten bzw. Kopierschutzmaßnahmen weiter erlaubt sind.
Doch wie sieht es gegenwärtig aus?
Zur Zeit werden die DRM Systeme und die Kopierschutzmaßnahmen immer drastischer, besonders bei PC-Spielen und Programmen. Als Beispiel nenne ich hier Securom, das sich ähnlich wie ein Rootkitvirus im Computersystem verankert und die gültige Lizenz der Programme überprüft sowie Ubisofts neuesten Kopierschutz, der eine permanente Internetverbindung beim Spielen erfordert. Ist kein Zugriff auf das Internet möglich kann das Spiel nicht gespielt werden, was bei Assassin’s Creed 2 und Silent Hunter 5 der Fall ist. Und selbst wenn der Verbraucher das Spiel ordnungsgemäß erwirbt und eine aktive Internetverbindung hat kann es vorkommen, dass es nicht möglich ist das Spiel zu starten weil die Server überlastet sind.
Die Methoden werden drastischer weil die alten Kopierschutzsysteme innerhalb weniger Tage geknackt sind und das Spiel danach z.B. auf The Pirate Bay zum Download verfügbar ist. Die Hersteller wollen durch den Kopierschutz sicherstellen, dass nur zahlende Nutzer in den Genuss von Spiel, Film oder Musik kommen, was sich in der Theorie auch sehr gut anhört und verständlich ist. In der Praxis jedoch ist es so, dass die zahlenden Kunden um ihr Recht auf eine Privatkopie gebracht werden und sich mit immer mehr ausufernden Kopierschutzanforderungen auseinandersetzen müssen, wie etwa einer dauerhaften Internetverbindung, Registrierung beim Hersteller, Installation von Überwachungsprogrammen (Securom) und so weiter. Durch diese Maßnahmen vergraulen die Hersteller immer mehr Kunden, die im Normalfall bereit wären das Medium legal zu erwerben.
Gleichzeitig steigern sie das Interesse der Cracker an der Software und die vergraulten Nutzer suchen sich illegale, aber für sie akzeptable Wege die Software zu erhalten und zu benutzen. So wurde beispielsweise Ubisofts neuester Kopierschutz mit permanenter Onlineanbindung innerhalb eines Tages geknackt. Diejenigen, die sich eine illegale Kopie von Assassin’s Creed 2 oder Silent Hunter 5 heruntergeladen haben können das Spiel auf jedem PC installieren, selbst wenn er keine Internetverbindung hat, und gemütlich spielen während sich die zahlenden Nutzer wegen überlasteter Server ärgern.
Es hat also keinen Sinn einen Kopierschutz zu benutzen, da es letztendlich nur den ehrlichen Käufern schadet. Gecrackt wird der Kopierschutz sowieso – ob in einem Tag oder in einer Woche dürfte dabei keine Rolle spielen.
Alleine dieses Beispiel sollte doch für jeden Publisher ein Zeichen sein die Kopierschutzmaßnahmen zu einem erträglichen Maß zu reduzieren oder ganz abzuschaffen. Dadurch werden einerseits die vergraulten Kunden wieder angesprochen, andererseits spart man sich das Geld einen aufwendigen Kopierschutz zu entwickeln oder zu lizenzieren und das DRM System zu unterhalten. Wird das dadurch eingesparte Geld in mehr Werbung und besseres Marketing investiert kann sich der Publisher sogar über ein Umsatzplus freuen.
[Von Markus Bürster]
Quellen:
1. Korb der Urheberrechtsnovelle
2. Korb der Urheberrechtsnovelle
Ubisofts Probleme mit dem Kopierschutz